Lost in Transition

Transitions. So der hippe Begriff für die Übergänge von einer Asana in die nächste. Im Ashtanga oft eher statisch, sind sie im Vinyasa Flow meist fließender. Ich mag das, weil man zum einen das Gefühl hat unglaublich grazil zu wirken (wie gesagt: “DAS GEFÜHL”!:-)) und wie eine Tänzerin von einer Position in die nächste zu gleiten. Und zum anderen immer im Fluss der Bewegung bleibt. Keine Unterbrechung, keine Pause, keine Zeit nachzudenken. Ganz bei sich sein.

Ein großartiges Thema für den November, weil auch ein Übergang. Während die einen (MICH eingeschlossen) noch immer ohne Strümpfe rumlaufen, weil sie einfach nicht wahrhaben wollen, dass dieser endlose Sommer nun doch ein Ende hat, haben die anderen bereits die Daunenjacken ausgepackt und sehen aus als wären sie bereit für die Antarktis.


Diese Übergangszeiten haben etwas komisches.

Ein luftleerer Raum, nicht Fisch, nicht Fleisch. Irgendwie schwebt man so im Nirgendwo. Gleichzeitig großartig! Ein weißes Blatt, Zeit inne zu halten. Altes loszulassen und Raum für Neues zu schaffen. Das macht erstmal Angst. Altes loslassen heißt Trennung, heißt Verlust, heißt Abschied nehmen. Das mögen wir nicht. Und Neues macht uns sowieso immer erstmal Angst!

Transitions im Yoga, wie auch im Leben, sind anstrengend. Hat man sich erstmal in einer Position eingerichtet, empfindet man ein Gefühl von Komfort. “Das kann ich jetzt, da bleib ich jetzt.” Während der Transitions muss unser Hirn arbeiten, müssen die Muskeln unser Gewicht umverteilen. Wir müssen das Gleichgewicht behalten, nachdenken was als nächstes passieren soll…Bequem ist anders! Aber wenn man sich immer auf den nächsten Windstoß verlässt, der einen weiterträgt, wird man nie die Stärke entwickeln seinen eigenen Schwung zu schaffen. Die Momente auf der Matte, wenn die Muskeln zittern und man sich aus Parsvakonasana (seitlicher Winkel) in Virabhadrasana II (Krieger II) hebt, sind Möglichkeiten Kraft aufzubauen.

Man tendiert gerne dazu diese Übergänge schnell und unbedacht zu machen. Ziel ist doch die nächste Haltung. So wie wir durchs Leben laufen und dem nächsten Ziel hinterher jagen bevor wir das letzte überhaupt richtig genossen haben. Schnell, schnell, weiter, weiter.

Und so schludern wir auf der Matte durch die Vinyasas um möglichst schnell die Ruhe im herabschauenden Hund zu genießen. Ist ja auch recht unspektakulär so ein Vinyasa im Vergleich zu einem Handstand also warum Zeit damit verschwenden?

(Dein Ego lässt grüßen)

Wenn wir aber genau diese Übergänge, diesen luftleeren Raum als das erkennen was er ist, nämlich die Möglichkeit Kraft aufzubauen, sich bedacht in die nächste Haltung, die nächste Phase zu manövrieren, dann werden die plötzlich gar nicht so unwichtig. Im Gegenteil!

Übergänge, ob von einer Asana in die nächste, einer Jahreszeit in die nächste oder einer Lebensphase in die nächste sind aufregend, anstrengend und ja, auch beängstigend. Aber genial, weil sie Zeit schenken uns neu auszurichten. High five to Transitions!

Anna Hacker