Mein Yoga.

Ich war noch nie in einer Situation in der ich dachte „JETZT wäre ein Kopfstand RICHTIG hilfreich!” Braucht kein Mensch diese komische Haltung. Aber der Weg dorthin. Das Üben, das Scheitern, das wieder aufstehen. Das macht etwas mit dir. Das ist Yoga.
Dazu braucht es keine Räucherstäbchen und keine kack-farbenen Wallegewänder. (Auch wenn ich in der Tat manchmal zu Räucherstäbchen greife:-))

Der Matte ist es auch egal ob du am Vortag Rotwein getrunken oder ein Steak gegessen hast. Darum geht es nicht. Yoga ist keine Religion, hat keine strengen Regeln, da gibt es kein richtig oder falsch. Du musst es nur tun. Du wirst nur dann eine Entwicklung feststellen wenn du es machst. So wie du eine Sprache nur dann lernen wirst wenn du sie sprichst.

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Ich will auch niemanden bekehren, ich will keinen anderen Menschen aus dir machen und du sollst dich nicht in Haltungen quälen die dir weh tun. “There is NO pain in Yoga!” Wie Bryan Kest zu sagen pflegt. (Naja, in manchen Haltungen muss ich schmunzeln wenn dieser Spruch kommt)

Aber am Ende ist es DEINE Freizeit, die Du auf der Matte verbringst. FREIWILLIG (im besten Fall). Das darf auch angenehm sein. Das darf Spass machen.

Was ich so liebe am Yoga ist die Tatsache, dass man sich immer das rausholt was man gerade braucht. Wenn du schwitzen willst, schwitzt du, wenn du 90 Minuten auf dem Rücken liegen willst - auch fein.

Ich als Lehrer schaffe nur einen Rahmen in dem du dich wohl fühlst. Eine Safety Zone. 

Ich mache Vorschläge und was du daraus machst ist dir überlassen.

Ja, das darf auch anstrengend sein und ja, es gibt all diese verrückten Posen - die probieren wir aus. Aber was nicht geht, das geht nicht. Es gibt keine Angeber und keine Loser. Keine Competition. Jeder ist für sich. Bei sich. Und das ist schwer genug. Believe me!

Yoga ist eine Lebenseinstellung. Da geht es um die Art mit sich selbst und anderen umzugehen, im Hier und jetzt zu sein.  Das klingt so banal aber wir halten immer entweder an etwas fest das längst vergangen ist oder hetzen etwas hinter her. “Wenn ich dies und jenes habe, dann passiert das oder das.. // Wenn dies und jenes passiert, dann bin ich glücklicher…”  Was absurd ist, weil doch die Gegenwart das einzige ist was real ist.  Alles andere ist ja nur in unserem Kopf - eine Illusion, die wir uns selber schaffen durch unsere Erfahrungen, Erwartungen, Prägungen.

Ich weiß, das klingt einfacher als es ist. Never said it was easy! Aber Yoga ist eben ein ewiger Prozess. Da gibt es keine Abschlussprüfung á la “So. Ausyogiert, fertig.”

Ich habe diesen Text einem Freund vorgelesen. Mein Versuchskaninchen so zu sagen. Der Hausfrauentest. Seine Reaktion: “Ja. Verstanden. Aber was genau passiert denn in der Stunde? Und was zum Geier heißen all diese Sachen? Vinyasa dingsbums und so weiter?”

AAAAlso: (und ich spreche hier nur für MEINE Yogastunden. Jeder Lehrer macht das anders und es gibt zig Yogaarten)

  • Jede Einheit beginnt mit einer kurzen Meditation, einem Innehalten, Ankommen. Das kann in Verbindung mit Atemübungen oder einfach nur still sitzen und beobachten passieren.

  • Dann sagen wir dem Körper “Obacht! Da passiert jetzt was!, wärmen uns auf, lockern und starten mit einer Runde Sonnengrüßen (siehe YogaWiki).

  • Der eigentliche Flow ist von Mal zu Mal verschieden. Vielen Haltungen wirst Du aber immer wieder begegnen. Das liegt nicht an der Einfallslosigkeit meinerseits sondern daran, dass diese Haltungen fester Bestandteil der Yogapraxis sind. So wird es immer eine gewisse Form von neutralen Haltungen, offenen Positionen, Vorbeugen, Rückbeugen und Umkehrhaltungen geben. Wie diese genau aussehen kann aber variieren. Auch die Abfolge dieser Haltungen ist nicht willkürlich gewählt sondern bauen aufeinander auf.

  • Nach dem intensiven Hauptteil, den stehenden Positionen geht es auf den Boden. Hier wird es ruhiger und wir stretchen, twisten, dehnen.

  • Die letzte und wichtigste Haltung jeder Yogaeinheit ist das so genannte Savasana, die Totenstellung. Nix mehr zu tun, nix mehr zu schaffen. Nur daliegen. In dieser Zeit kann sich die Energie, die wir aufgebaut haben im Körper verteilen und setzen. Eine Yogaeinheit ohne Savasana ist wie für eine Prüfung zu lernen und dann nicht anzutreten - auch gut, aber irgendwie sinnlos!

  • Die Praxis endet mit dem Verneigen vor sich selbst und voreinander. NAMASTE. Das bedeutet “Das beste in mir, grüßt das beste in dir” Schön oder?

Anna Hacker