Freiheit

Persönliche Umstände bringen es mit sich - das Thema “Freiheit” läuft mir im Moment öfters über den Weg. So banal möchte man meinen. Aber je mehr ich darüber nachdenke, umso komplexer wirkt mir dieser Begriff. Was bedeutet das eigentlich? Kann es dafür denn überhaupt eine einheitliche Definition geben oder ist Freiheit nicht viel mehr - und das bringt der Begriff doch schon mit sich - völlig subjektiv. Und wenn er das ist - wo hört Freiheit auf und wo fängt Egoismus an?

Wir alle sind geprägt von Umständen. Den Verhältnissen, in die wir geboren werden, der Familie, in der wir aufwachsen, den Menschen, die uns umgeben. Moral, Ethik, gesellschaftlichen Vorgaben und Wertvorstellungen was gut und was falsch ist. Und selbst die vermeintlich Unabhängigen, die ach so “anderen”, sind am Ende, in sich, doch auch gleich. Die Alternativen in der Hamburger Schanze tragen schwarze Hoodies, die Schnösel in den Wiener Randbezirken bunte Hosen , die Bobos sitzen Samstags am Naschmarkt, die Hippies (wo sind die eigentlich hin?) Haarbänder, die Muddis, die Proleten, die Hipster, wir drücken doch jedem sofort ein Klishee auf - zu Unrecht? … Was ist daran denn noch frei, wenn am Ende doch alle einander gleichen? Was gibt uns das recht zu urteilen und warum tun wir das überhaupt?

In den Yoga Sutren (so etwas, wie DAS Handbuch der Yogis) hat der Verfasser Patanjali das Yoga Wissen seiner Zeit zu konzentrierten Versen zusammengefasst und beschreibt den 8-Gliedrigen Weg, der zum höchsten Ziel des Yoga führt:

„einen Zustand von vollkommener Freiheit zu erreichen und darin zu verweilen“ (YS 4.26). 

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Wer will das nicht - die vollkommene Freiheit!!! Aber was heißt das? Und vor allem: wie kommt man da hin?

Samadhi nennt man diesen Zustand zu dem uns Yoga hinführen soll. Die Erleuchtung. Dazu müssen wir kontinuierlich alles loslassen, was wir nicht sind, um so zu dem zu gelangen, was wir in der Tiefe sind: wir selbst / unser Wesenskern = Atman

Freiheit im yogischen Sinn ist Ungebundenheit, Abwesenheit von Wünschen und Verlangen, von Neigung (Raga) und Abneigung (Dvesha), von Anhaftung an Ruhm, Ehre, Geld, Dingen, Menschen, Freiheit von Furcht. Aber was bleibt übrig? Wer sind wir, wenn wir all das abstreifen?

Gute Frage. Bisschen beängstigend sogar, oder? Ist es doch so viel einfacher mit dem Strom zu schwimmen. Dinge zu tun, weil andere sie tun und angepasst zu sein. Bloß nicht auffallen, bloß nicht aufmucken. Selbst die Yogis sehen alle gleich aus. Fancy Hosen, krasse Posen (oh, das reimt sich:-)) und dann aus der Stunde raus und den nächsten Autofahrer anmaulen, weil der zu langsam fährt. Verrückt irgendwie. Aber menschlich.

Lasst uns diesen Monat der Freiheit widmen mal genauer hinzusehen. Wer ist das da auf der Matte?

Ich glaube daran (und ich mag diesen Gedanken sehr!), dass tief drin in jedem von uns ein Kern steckt, den absolut niemand kennt. Vielleicht sogar wir selber nicht, weil wir nicht hinsehen. Eine innere Wahrheit, die niemals jemand erfahren wird. Unser Schatz. Wie spannend den zu suchen. Dabei?

Anna Hacker