Und, erleuchtet?

Hm. Keine Ahnung. Irgendwie Ja. Aber darf man das überhaupt von sich behaupten? Ist das vermessen?

Irgendwie auch so garnicht. Woran merkt man das denn? Im ersten Moment denkt man doch sofort an Heiligen Schein, Übersinnliches, weißbärtiger Mann in weißem Wallegewand. Erleuchtung. Lustigerweise behaupten oft Menschen von sich erleuchtet zu sein, die davon nicht weiter entfernt sein können. Skurrile Geschichten kenne ich da.... Aber wer bin ich um das zu beurteilen? 

Aber was genau ist das eigentlich, Erleuchtung? Wie äußert sich dieser Zustand? Ist das überhaupt ein Zustand oder viel mehr ein schleichender Prozess? Im Fernsehen kennt man diese Momente der Erleuchtung als - ohhh! ahhh! mein Leben zieht im Zeitraffer an mir vorüber und ganz plötzlich ist mir alles klar! Plötzlich ergibt alles einen Sinn! - so läufts halt nicht!

Jeder kennt doch diese kleinen aha-Erlebnisse. Wenn man plötzlich etwas verstanden hat. Plötzlich ein Licht aufgeht. Das ist Erleuchtung. Aber auch die großen Erkenntnisse. Das eine musste passieren damit das andere so passieren konnte. "Connecting the dots" wie der smarte Apfelmann schon gesagt hat!

Wie das oft so ist, wenn man sich mit einem bestimmten Thema beschäftigt - plötzlich taucht es an jeder Ecke auf. Wie in diesen Filmen: Frau erfährt unerwartet von ihrer Schwangerschaft und sieht überall nur noch dicke Bäuche und schreiende Kinder. Und so sehe auch ich im Moment überall Erleuchtung. In den unterschiedlichsten Facetten, aber eines haben all diese Geschichten gemeinsam. Immer geht es irgendwie um Klarheit. Klarheit über etwas, Klarheit über sich selbst. Wer bin ich, was will ich, was brauch ich? Ja, das ist jetzt wieder egoistisch und löst keine globalen Probleme - aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Erleuchtung. Äh, Klarheit.

Ich saß vor nicht all zu langer Zeit mit einem Freund bei einem Nach-der-Arbeit-wir-brauchen-das-jetzt-Weinchen. Ein richtig doofes Wochenende, gefolgt von einem noch viel dooferen Montag (believe it or not - auch Yogis geht es so!) endete mit zwei, ok sechs Gläsern Wein (insgesamt wohl gemerkt!) und nachdem wir uns gegenseitig unser Leid geklagt hatten sagte er: Weißt du, wichtig ist doch nur dass man weiß, wie man sich wieder raus zieht wenn man am Boden ist. Sein Happyplace kennt. Was macht dich glücklich? Was brauchst du wirklich im Leben damit es dir gut geht? Welcher Ort ist das, welche Person, welches Gericht, welcher Geruch? Das zu wissen ist doch schon die halbe Miete.

Wie recht er hat! Klarheit also ist der Weg zur Erleuchtung. Oder ist es der Weg der die Erleuchtung ist? Will ich denn überhaupt erleuchtet sein? 

Es gibt unzählige Auslegungen zu diesem Begriff.

In der Yogaphilosophie sind es Dinge wie "frei von allem Irdischen", "an nichts mehr anhaften",... Ich mag es aber - das Irdische -  und ich liebe es manchmal an Dingen anzuhaften, mich zu sulen in meinem (vermeintlichen) Leid und mich dem ganz großen Drama hinzugeben. Ich brauche das genauso wie ich das andere brauche. Man isst ja auch nicht jeden Tag gefüllte Paprika (das Gericht, das mich am glücklichsten macht (s.o.)).

Vielleicht ist es mit der Erleuchtung ähnlich wie mit einem Marathon. Das Training ist großartig, da ist man sich einig. Der Wettkampf selbst - da kann man drüber streiten.

Alles wird gut