Die Kunst des Lebens. Oder so.

Mit der Anmeldebestätigung zum 200h Yoga Teacher Training kam eine Bücherliste. 13 Stück an der Zahl. (Die empfohlenen DVDs ausgenommen). Das hatte ich mir entspannter vorgestellt! Aber gut. Ich gebe zu, ich habe sie nicht alle gelesen, sondern mich erstmal auf die beschränkt, zu denen Arbeiten geschrieben werden sollten, gefolgt von denen, die mich am meisten interessierten. Darunter auch: Die Kunst des Lebens von William Hart.

Es geht um Vipassana Meditation, um GLEICHMUT und GELASSENHEIT.

Für mich erstmal eine schreckliche Vorstellung weil gleichgesetzt mit Lethargie und Emotionslosigkeit. Grauenhaft! War ich doch immer überzeugt davon, dass wahre, echte Gefühle immer mit Extremen verbunden sein müssen. Up and down, blood sweat and tears, das ganz große Drama. Nur dann ist es echt. Nur dann spürt man sich. Das muss doch so sein. Die größten Liebesgeschichten, Bücher, Theaterstücke und Filme haben uns das doch so beigebracht. Romeo & Julia, Fackeln im Sturm, Dirty Dancing (...soviel zur "großen" Literatur der Anna H.). Immer muss erst der unendliche Schmerz da sein, damit dann das Happy End folgen kann. So lautet doch das ungeschriebene Gesetz.

Aber genau da setzt Vipassana an. Es geht nicht darum in völlige Lethargie und Emotionslosigkeit zu verfallen sondern darum, sich bewusst zu machen dass jeder Moment vergeht, dass es ein ständiges Kommen und Gehen ist, dass jeder Moment, ob er nun gut oder vermeintlich schlecht ist, vorbei geht. Weil alles im ständigen Wandel ist. 

Unser ganzer Körper ist ständig in Bewegung. Unser Herz klopft, Zellen teilen sich, Blut fließt, Haare wachsen...Ganz schön was los in uns, ohne dass es uns bewusst ist.

Genauso ist die Natur in ständiger Bewegung. Das fängt schon damit an, dass die Erde sich dreht und jetzt schon wieder in einem anderen Zustand ist als gerade eben. Verrückt, oder?

Und deshalb ist es doch eigentlich absurd und fast schon lächerlich, dass man an Momenten festhält, weil der Moment im nächsten Augenblick schon wieder vorbei ist und der nächste kommt.

Nicht nur in der Yogapraxis, gibt es Momente die man nicht so gerne mag, Übungen die man nicht so gut kann wie andere. Einfach mal bleiben! Sich bewusst machen - es geht vorbei.

Und umgekehrt gibt es Momente die sind so schön und so abgefahren glücklich, dass man sie am liebsten festhalten möchte und Angst hat, dass dieser Moment vorbei geht. Und vor lauter Angst, dass er vorbei geht, verpasst man, ihn richtig wahrzunehmen und zu genießen.

Und genau darum geht es. Alles wahrnehmen. Die höchsten Hochs und die tiefsten Tiefs. Und dankbar sein, die unendliche Bandbreite von diesem Rollercoaster "Leben" mitnehmen zu dürfen. Und trotzdem nichts bewehrten, an nichts anhaften, weil es vorbei geht und der nächste Moment kommt.

Wenn man sich dessen bewusst wird, ist das unglaublich befreiend. Weil plötzlich jeder Moment so schön ist wie er ist . Ist er doch nur ein kleiner, mini Ausschnitt von dieser großen Reise auf der noch so viele Momente auf uns warten. 

Alles wird gut.

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